Die Planetenlaufuhr von Baldewein
Vortrag von Lothar Hasselmeyer am am 17. Mai 2009:
Trotz des schönen Wetters war der Andrang zu dem Vortrag groß. Herr Stadl begrüßt den Vortragenden, der ein Mitverfasser des Jahrbuches 2008 ist. Das Jahrbuch ist zur Gänze der Baldeweinuhr gewidment, und, wie Herr Stadl anmerkt, etwas schwere Kost. Viele Leser würden vor dem detailreichen Text kapitulieren. Aus dem Grunde wäre ein Vortrag zu dem Thema von einem der Mitverfasser sicher ein einfacherer Einstieg in das Thema.
Herr Hasselmeyer stellt sich mit einem kurzen Lebenslauf vor. Er ist in Dresden geboren, hat in Glashütte den Beruf des Industrieuhrmachers erlernt, danach im Handwerkgearbeitet und ist, infolge einer glücklichen Fügung, seit 1990 als Restaurator am Mathematisch-Physikalischen-Salon in Dresden beschäftigt. Neben vielen wissenschaftlichen Instrumenten besitzt der Salon auch eine Reihe von Uhren, darunter die Planetenlaufuhr von Baldewein.
Diese hatte der Kurfürsten von Sachsen in Auftrag gegeben und wurde in Marburg von Baldewein von 1663 bis 1668 gebaut. Die Planetenlaufuhr gibt den Lauf der damals bekannten Planeten auf vier Schauseiten wider. Gekrönt wird die Uhr von einem Himmelsglobus.
Obwohl die Lehren des Kopernikus bereits bekannt waren, ist der Planetenlauf Baldeweins nach dem Ptolemäischen (geozentrischen) System konstruiert und dargestellt. Dieses System befand sich in Übereinstimmung mit den Forderungen der Kirche, wonach die Erde sich im Mittelpunkt befand und die anderen Planten sich in idealen Kreisbahnen um die Erde bewegten. Damit traten jedoch bei der Beobachtung der Planeten zwei Probleme auf. Zum einen die scheinbare Rückläufigkeit und zum anderen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Planeten. Der wahrscheinlichste Grund, daß Baldwein das ptolemäische Modell als Grundlage für die Planetenbewegungen geählt hat, ist seine mathematische Exaktheit.
Baldewein hatte es sich nun zur Aufgabe gemacht, dieses Modell mit einer Uhr zu verbinden. Die Anforderung des Hessischen Landgrafen war gewesen, die Anzeige der Planeten zu realisieren, die Anzeige mechanisch anzutreiben und diesen Antrieb in Echtzeit erfolgen zu lassen. Das Ergebnis war dann ein echtes Planetarium. Damit war es also tageszeit- und wetterunabhängig möglich zu wissen, wo sich ein Planet befand. Auch die Höhe des Planeten über dem Horizont wurde dargestellt.
Das Problem war nun, diese astronomisch exakte Anzeige mechanisch zu realisieren. Baldewein hat dazu hauptsächlich 2 Kunstgriffe verwendet.Er hat z.B. Räder außermittig gelagert und diesen Lagerpunkt auf einem Schlitten bewegt. Darüberhinaus wurden Zahnräder mit unterschiedlicher Zahnteilung verwendet. „Und dieser Mann war gelernter Schneider" erwähnt Herr Hasselmeyer bewundernd.
Alle Planetenanzeigen sind nach dem gleichen Muster aufgebaut. Es ist immer ein Zeiger vorhanden der den locus verus (wahren Ort) auf dem Tierkreis anzeigt. Die Anzeigen sind astronomisch genau und versetzen damit den Besitzer in die Lage, jederzeit vorherzusagen wo die Sterne stehen und Horoskope zu erstellen ohne Astrologen befragen zu müssen. Der Besitzer dieser Uhr hatte somit die direkte Verbindung zum Himmel, zur göttlichen Bestimmung, denn die vorherrschende Meinung im 17. Jahrhundert war noch, daß sich die Himmelsvorgänge auf der Erde wiederspiegeln und umgekehrt. Die Uhr war also nicht nur ein Prunkobjekt, sondern auch ein Machtobjekt.
Wer sich intensiv mit Baldwein beschäftigt, , kommt früher oder später, wie auch Herr Hasselmeyer, zu der Frage: „Woher hat Baldewein sein Wissen gehabt?" Leider kann diese Frage nicht umfassend beantwortet werden. Er tauchte 1652 am Hessischen Hofe auf und es war bekannt daß er gelernter Schneider war. Einige Indizien sprechen für die mögliche Herkunft Baldeweins aus dem Innsbrucker Raum.
Das von der DGC herausgegebene Buch „Die Planetenlaufuhr" basiert auf den Untersuchungen und Aufzeichnungen von Helmut Sändig und Emmanuel Poulle. Helmut Sändig, Ingenieur für Elektromaschinenbau, interessierte sich seit den 60-er Jahren für die Baldewein-Uhr und erwarb sich während vieler Besuche des Mathematisch-Physikalischen Salons umfangreiches Wissen über die Funktion der Baldewein-Uhr. Sändig traf in den 70-er Jahren auf Dr. Poulle, einen französichen Wissenschaftler, der sich aus astronomischen Gründen für die Uhr interessierte. Aus diesem Kontakt entstand ein Manuskript Dr. Poulles in französischer Sprache, dessen Übersetzung ins Deutsche sich als außerordentlich schwierig erwies. Erst durch das Interesse Hr. Hasselmeyers und seinen langjährigen Kontakt zu Hr. Sändig kam es zu einem brauchbaren, verständlichen, deutschsprachigen Manuskript. Das Interesse einiger Fachleute aus der DGC, erwähnt seien hier Prof. Aulenbacher und Dieter Tondok, haben eine Veröffentlichung möglich gemacht. Das Manuskript wurde dann als Jahrbuch 2008 herausgegeben.
Zum Schluß seines Vortrages betont Hr. Hasselmeyer, daß das Buch „Die Planetenlaufuhr" als Nachschlagewerk zu verstehen ist. Zu den einzelnen Themengebieten, wie Geschichte, Theorie des Planetenlaufs, technische Ausführung der Anzeigen kann immer wieder nachgelesen werden, und der Leser kann jedesmal sein Wissen erweitern.